Jungen und Mädchen vor und nach ihrer Konfirmation. Menschen an der Schwelle vom Kind zum Jugendlichen: Zwischen beiden Fotos liegt ein Jahr.
Ein Projekt mit Klienten der Tagesstätte des Diakonischen Werks Westerwald. Mit dem Team der Tagesstätte, einer Visagistin und mir als Fotografen haben sie überlegt, in welche Rolle sie gerne schlüpfen wollen. Gemeinsam sind wir auf eine spannende Reise zum zweiten Ich aufgebrochen.
Müritz. Mogendorf. Borkum. Elba. Irgendwo in den Cevennen und den Alpen. Immer dabei: meine alte Rolleiflex.
Ein Experiment: Ein Drei-Tages-Trip nach Paris mit nur einer Kamera und einer Rolle Film, auf die zwölf Bilder passen. Eins ist doppelt, eines war schwarz, zehn haben’s auf die Seite geschafft.
“In Schweiße Deines Angesichts sollst Du Dein Brot essen”: Über Tausende von Jahren hat das Säen und Ernten, das Mahlen und das Backen den Alltag der Menschen bestimmt. Brot ist mehr als eine Mahlzeit: Brot ist Leben.
Heute ist das Leben leichter: Inzwischen gibt es Gebackenes in jedem Discounter, und jeder deutsche Haushalt verbraucht pro Jahr 45 Kilogramm Brot. Aber leichter bedeutet nicht unbedingt besser. Und deshalb bereiten manche Menschen das Brot immer noch so zu, wie es in den vergangenen Jahrhunderten üblich war: per Hand in den Dorfbackhäusern; in aller Ruhe und mit Liebe.
In vielen der 192 Ortsgemeinden des Westerwaldkreises stehen noch solche alten Backes-Häuser: Zum Beispiel in Marienrachdorf. „Westerwälder Backhaus“ steht auf einem liebevoll verzierten Holzschild über dessen Eingang, und drei Mal im Jahr treffen sich hier eine Handvoll Männer, um gutes Brot wie anno dazumal zuzubereiten.
Seit 20 Jahren engagiert sich Eberhard Ströder aus dem Westerwald für die Region um die Stadt Korogwe: Er sammelt Spenden und baut vor Ort eine Nähwerkstatt, eine Grundschule, einen Kindergarten und unterstützt eine Schreinerei. Ich habe ihn im Sommer 2019 begleitet und konnte seine Projekte und das Leben der Menschen kennenlernen. Alle Bilder sind mit der Leica MP, der Leica M3, der Rolleiflex auf Ilford-Schwarzweiß- und Kodak Farbfilm entstanden.
Rund 30 Millionen Menschen setzen sich in Deutschland ehrenamtlich für andere ein. Einige von ihnen habe ich auf analogem Schwarzweißfilm portraitiert. Männer und Frauen, die ihre Freizeit für andere opfern - etwa als Notfallseelsorgerin, in der Flüchtlingsarbeit, der Feuerwehr, als Trainer. Die Bilderserie „Seht, welch ein Mensch“ ist ein Dankeschön an diese und alle anderen Ehrenamtlichen.
Hier eine Auswahl der Fotografien, die im Oktober 2021 in Montabaur ausgestellt wurden.
In meinem ehemaligen Beruf als Erster Kriminalhauptkommissar waren zwei Dinge besonders wichtig: gesunder Menschenverstand und Neugierde. Der Menschenverstand hat mir gezeigt, dass Geschichte nicht die Vergangenheit ist. Sondern sie ist das, was wir konservieren. Wenn ich jahrelang für eine Dorfchronik recherchiere, tue ich das deshalb nicht nur aus Neugierde. Sondern auch, weil ich Geschichte erhalten will, die sonst verschwindet.
Der Rückerother Wilfried Göbler hat als Heimat- und Familienforscher zahlreiche Schriften veröffentlicht, damit Menschen und Geschichte(n) nicht verloren gehen
Ich bin in der kirchlichen Jugendarbeit groß geworden und habe als Konfi-Mitarbeiterin, auf Freizeiten oder in der Jugendkirche erlebt, wie aufregend Kirche sein kann. Wenn junge Menschen zusammen sind, ihren Glauben und ihr Leben miteinander teilen, sind das ganz besondere Erfahrungen. Die möchte ich gerne weitergeben.
Henny Schneider aus Kadenbach verleiht als FSJlerin im Evangelische Dekanat Westerwald der Jugendarbeit einen frischen Anstrich.
Ich schütze die Bienen, weil sie zu den wichtigsten Tieren gehören, die es gibt. Weil sie für Menschen, Tiere und Pflanzen überlebenswichtig sind und uns darüber hinaus so viel geben: Honig, Wachs, Propulis … sogar ihr Gift wird für Medikamente gegen Arthrose eingesetzt. Deshalb hüte ich sie: Ich lasse ihnen mehr Honig als ich ernte. Und ich helfe ihnen, dass sie von Natur aus widerstandsfähiger gegen die Varroamilbe sind. Wir müssen wieder im Einklang mit der Natur leben. Anders geht es nicht.
Olaf Ruhfus-Hartmann aus Hilgert ist seit 15 Jahren Imker und findet bei den Bienen seinen Frieden.
Wanka ist zehn Jahre, und er nennt mich Papa. Eigentlich bin ich sein Opa, da die Tochter meiner Frau seine Mutter ist. Aber Wankas echte Eltern haben mit Drogenabhängigkeit zu kämpfen und sind deshalb nicht in der Lage, den Jungen großzuziehen. Meine Frau und ich haben eine Woche vor der Geburt von der Schwangerschaft erfahren. Als Wanka zur Welt kam, musste er auf Entzug und sollte dann in eine Pflegefamilie kommen. Aber das war für meine Frau und mich kein Thema. Für uns war es selbstverständlich, dass wir den Jungen zu uns nehmen. Seitdem sind wir wieder Vollzeit-Eltern und lieben den Jungen über alles.
Hans-Joachim Langsdorf und seine Frau Monika aus Groß-Halbach sind mächtig stolz auf ihren Pflegesohn Wanka.
Dieser Mischwald ist fast so groß wie acht Fußballfelder und hätte fast einem Autohof weichen müssen. Dabei ist dieses Stück Natur ein hohes Gut: Hier wachsen mehr als 3000 Bäume, außerdem bietet es 40 Vogelarten sowie Insekten, Fledermäuse, Wildbienen und sogar dem Feuersalamander einen Unterschlupf. Und schließlich schenkt das Waldstück den Menschen Sauerstoff, sauberes Grundwasser und Erholung. Natürlich rette ich nicht die Welt, nur weil ich mit meinen Mitstreitern dieses Waldstück gerettet habe. Aber wenn wir nicht im Kleinen anfangen, können wir’s gleich vergessen.
Ernst Knopp aus Heiligenroth gründet eine Bürgerinitiative, die sich erfolgreich gegen den Bau eines Autohofs auf einer Waldfläche nahe der Autobahn wehrt.
Ich war zwölf Jahre, als die Bomben fielen. Als die Nacht vorbei war, waren wir bettelarm. Der Angriff hatte uns alles genommen. Nur zwei Dinge nicht: mein Leben und den festen Glauben an Gott. 1957 kam ich in den Westerwald, nach Altstadt. Und dort konnte ich Gott auf meine Weise danke sagen; dafür, dass er mich durch die Kriegs- und Nachkriegsjahre geführt hat: Ich gestaltete den Kindergottesdienst und baute die frühere Schule zum neuen Pfarrbüro aus. Später war ich Gründungsmitglieder der heutigen Diakonie-Sozialstation, leitete 25 Jahre den Kirchenvorstand und war 30 Jahre als Prädikat tätig. Mit zwölf hätte ich mir das nie vorstellen können.
Horst Kapp aus Altstadt hat seinen Lieblingsvers auch mit 90 noch fest im Blick: Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.
Kein Einsatz ist wie der andere, und manchmal geht es um Leben und Tod. Als Bereitschaftsleiter beim Roten Kreuz achte ich nicht nur drauf, dass unsere Leute gut ausgebildet sind, sondern dass sie nach schwierigen Erlebnissen nicht alleingelassen werden. Denn manchmal geht’s an die Grenzen. Aber ich mache weiter. Weil ich gerne anderen helfe. Und weil unsere Hilfe immer gebraucht wird.
Markus Wirtgen aus Herschbach rückt seit fast 40 Jahren bei Wind und Wetter für den DRK Ortsverein Herschbach aus.
Der Posaunenchor ist für mich mehr als eine Gruppe von Freunden, die miteinander musizieren. Inzwischen ist er eine Familie. Und wie eine Familie gibt uns das Ensemble etwas mit: Hier lernen wir durchzuhalten. Denn ein Instrument spielt sich nicht mal eben so, sondern braucht Übung und Hingabe. Und wir bekommen Lieder mit auf den Weg, die uns ein Leben lang begleiten. Lieder, die Gott loben und uns zu einer Heimat werden.
Thilo Müller aus Rehe leitet den Posaunenchor Alpenrod und erlebt bei jeder Probe, wie aus Klängen Segen wird.
Zum Krippensammeln kam ich durch meinen Beruf als Lehrer. Als ich vor rund 40 Jahren mit meinen Schülern eine Krippenausstellung gestaltete, merkte ich, wie begeistert die Jungen und Mädchen bei der Sache waren. Inzwischen bin ich Sammler und besitze 2000 Krippen. Gemeinsam mit meinen Freunden Karlheinz Philipps und Kurt Heibel haben wir im vergangenen Jahr den Krippenweg am Biebrichsbach gestaltet. An ihm gefällt mir, dass die Natur die Standorte vorgibt. Zehntausende Menschen haben sich diesen Weg angesehen und beim Krippchen-Gucken etwas Ruhe und Entschleunigung in der stressigen Vorweihnachtszeit erlebt.
Max Schneckenbühl aus Horressen sammelt Krippen und hat mehr als 50 Ausstellungen auf die Beine gestellt.
Fußballverrückt war ich schon als Kind. In meinem eigenen Verein habe ich gelernt, für andere da zu sein, Siege zu genießen, aber auch mit Frust umzugehen und Niederlagen gut zu verarbeiten. Heute betreue ich die A-Jugend des SV Marienrachdorf und gebe das den Jungs weiter. Denn wenn sich unsere Kinder ins Zeug legen sollen, müssen wir Erwachsenen mit gutem Beispiel vorangehen.
Marian Glaremin aus Marienrachdorf sorgt dafür, dass die Kicker von morgen am Ball bleiben und sich auch von Rückschlägen nicht unterkriegen lassen.